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IDO-BERICHTE


Die IV. Internationale Deutscholympiade (IDO) in Warschau vom 29.4. bis 5.5.2005

Bericht von Jana Kocjanèiè aus Slowenien


75, 20, IV., I. (bis 1000) und II. (über 1000), 70+30, 1. (94), 1. (94), 79%, 85%.
Was ist das wichtigste an einem Wettbewerb? Zahlen? Zahlen stehen für Plätze, Ränge, Ergebnisse, Kategorien und Statistik. Aber sie allein sagen uns nichts.

Anfang Mai rangen 75 Schülerinnen und Schüler in Warschau um gute Ergebissen und Plätze. Aus zwanzig Ländern kamen sie zusammen: Albanien, Armenien, Bulgarien, Estland, Island, Kroatien, Lettland, Litauen, Mazedonien, Niederlande, Polen, Rumänien, Russland, Serbien und Montenegro, Slowakei, Slowenien, Südafrika, Tschechien, Ukraine und Ungarn – wahrlich international.
Die Jungen und Mädchen starteten in zwei Kategorien, in der ersten Schüler mit bis zu 1000 Stunden Deutschunterricht, in der zweiten Kategorie Schüler mit mehr als 1000 Unterrichtsstunden. Die Prüfungen bestanden aus zwei Teilen, aus einem schriftlichen und einem mündlichen. Im ersten waren 70, im anderen 30 Punkte erreichbar.

Die Gewinnerin der I. Kategorie, Jana Gmajner aus Slowenien, und auch die Beste der II. Kategorie, Martina Gedeonova aus der Slowakei, erreichten jeweils 94 Punkte. Die Evaluierung der IV. IDO zeigte, dass die Veranstaltung ein großer Erfolg war: 79% der Beteiligten bewerteten die IDO-Veranstaltung als »sehr gut« und die Organisation wurde von 85% als »sehr gut« bezeichntet. Gratulation!

Die Stimmung und das Programm hat bereits eine der Gewinnerinnen in ihrem Bericht beschrieben. Als Begleitperson möchte ich Ihnen mit diesem Artikel die Schwerpunkte vorstellen, die für Sie als Deutschlehrer interessant sein könnten.
Als Begleiterin hatte ich diesmal wenig Pflichten. Vor der Abreise war ich ein paar Mal im Kontakt mit der IDO-Koordinatorin Alina Dorota Jarzabek. Sie organisierte alles perfekt bis ins Detail. Die Gruppen wurden am Flughafen oder Bahnhof erwartet und ins Hotel gebracht. Mit der Ankunft im Hotel übergaben wir, die Begleitpersonen, unsere Schüler den polnischen Kollegen. Sie kümmerten sich nun um alles und lasen die Wünsche der Schüler von ihren Lippen.
Die Länderpräsentationen am ersten Abend und die literarischen Workshops am darauffolgenden Tag waren eine sehr gute Vorbereitung auf den eigentlichen Wettbewerb. Die Schüler konnten sich auf diese Art und Weise kennen lernen und auch ohne Druck der Punkte arbeiten. Ich war fasziniert, was eine internationale Gruppe unter Betreuung von Studenten in zwei Stunden leisten kann! Die Vorstellungen in den literarischen Workshops waren wirklich kreativ. Während die Schüler daran arbeiteten, hatten wir eine Besprechung über die Prüfung.
Das Konzept der schriftlichen Prüfung war allen bekannt. Leseverstehen, Hörverstehen und einen Brief schreiben. Die mündliche Prüfung war diesmal eine Premiere. Deshalb möchte ich sie näher beschreiben.
Die Organisatoren stellten vor dem Beginn der IV. IDO internationale Gruppen aus drei Schülern zusammen. Diese Gruppen hatten am Montag den ganzen Tag für die Projektarbeit zur Verfügung. Das Thema lautete »Menschenrechte«. Sie mussten sich für eins davon entscheiden und innerhalb dessen ihre Sicht auf das Thema erarbeiten. Die Aufgabe war nun: das Thema präsentieren, darüber in der Gruppe konversieren und in einem Dialogteil mit den Prüfern diskutieren. Sie durften das Internet nicht benutzen. Am dritten Tag folgte die mündliche Prüfung. Vier Jurys aus drei deutschen Prüfern bewerteten die Gruppen und auch jeden Schüler einzeln. Die Juroren legten besonderen Wert auf die Begründung der Themenwahl, Art und Weise der Präsentation, Kreativität, Solidarität der Gruppe und Bezug der Arbeit zu eigenen Erfahrungen bzw. Ereignissen aus dem Heimatland. Jede Jury hat auch die beste Gruppe ausgewählt, die ihre Projektpräsentation bei der Preisverleihung vorstellte. Nebenbei: die Begleiter mussten am Tag der Projektarbeit das Hotel verlassen, damit die Schüler selbständig arbeiten konnten. Ich war überrascht, als ich am Abend jenes Tages Schüler an den Tischen sah, die nicht aufhörten zu diskutieren. Sie fühlten sich angesprochen und wollten bei der Prüfung ihr Bestes zeigen. Im Gespräch mit ihnen konnte ich feststellen, dass das Ziel der IV. IDO vor der Bekanntmachung der Ergebnisse erreicht wurde. Es kam spontan zum Austausch der Meinungen, der auf Deutsch verlief. Das Interesse an der Kultur eines fremden Landes wurde erweckt. Die Schüler lernten vieles voneinander auf einer ganz anderen Ebene als man es in der Schule macht. Und das ohne Lehrer! Ich war begeistert.
Am vorletzten Abend organisierten die polnischen Kollegen ein feierliches Abendessen für die Begleitpersonen. Da wurde heftig über das Konzept der IDO distkutiert. Es war sehr interessant zu hören, mit welchen Problemen die Deutschlehrerverbände aus anderen Ländern kämpfen. Einige organisieren einen jährlichen Landeswettbewerb, die anderen nicht. Das war schon ein Ausgangspunkt für die Diskussion über die Kriterien, anhand derer die IDO-Teilnehmer in Kategorien geteilt werden sollten. Wir waren uns einig, dass die Stundenzahl des Deutschunterreichts nicht relevant sein kann. Viele waren der Meinung, dass es am besten wäre, einen Einstufungstest vor der IDO zu machen und die Schüler nach Kenntnissen einzuteilen. Ein Vorschlag war auch, die Kategorien nach Alter zu differenzieren oder sie ganz abzuschaffen. Es ist wichtig, dass die Schüler ein Basiswissen besitzen, bevor sie an so einer Veranstaltung teilnehmen können. Konsens wurde noch nicht erreicht, die Disskusion war aber wichtig, da sich das Konzept ändern soll.
Erlauben Sie mir nun einen Blick in die Zukunft. Es ist noch nicht bekannt, welches Land die nächste IDO organisieren wird. Ich erwähne hier Einiges, was wir alle an der IV. IDO toll fanden und was ruhig wiederholt werden darf:
• Das Hotel an einer Hochschule am Rande der Innenstadt war einfach die ideale Lage
• Ein richtig dosiertes Rahmenprogramm (Lesung, Karaoke, Disco, Stadtrundfahrt) und auch genug Freizeit
• Das IDO-Portfolio
• Ausgehängte Steckbriefe gaben die ganze Zeit Auskunft zu allen Beteiligten
• Deutsche Prüfer sorgten für fachlich korrekte, einheitliche Bewertungen
• Ein tolles IDO-Team, das uns unter anderem auch eine CD-ROM mit allen Infos als Abschiedsgeschenk gab.
Ein Mitglied dieses Teams ist auch der Webmaster Andzej Bownik, der eine große Arbeit geleistet hat. Die Webseite www.ido2005.deutsch.info.pl wird noch immer aktualisiert. Sie sollten sie besuchen, liebe Leser, dort finden Sie auch alle weiteren Informationen über die IV. IDO (Prüfungen, Kriterien, Ergebnisse, Fotos, Auswertung, Teilnehmerliste und das Programm).
Nein, man kann nicht alles mit Zahlen und Prozentangaben ausdrücken. Vor allem nicht:

• die multikulturelle Stimmung,
• die Neugier,
• die Erwartungen,
• die Solidarität, die zwischen den Schülern aus verschiedenen Ländern die ganze Zeit präsent war,
• ihre Kreativität,
• die neuen Erfahrungen, die man auf solchen Veranstaltungen sammelt,
• das Lernen auf eine besondere Weise und
• sich selbst zu sehen in den Augen der anderen.

Fragen wir also erneut: Was ist das wichtigste an einem Wettbewerb? Hoffentlich konnten Sie in diesem Bericht eine Antwort darauf finden.


Jana Kocjanèiè, Deutschlehrerin aus Slowenien

 

    Der ganze Bericht als Word-Datei (2 Seiten, 35 kB)

 


   

© 2004-2005 by Andrzej Bownik

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